Nikolaus Harnoncourt erhält ECHO Klassik 2009
Nikolaus Harnoncourt wird für seine CD „Robert Schumann: Das Paradies und die Peri“ mit dem ECHO Klassik-Preis 2009 in der Kategorie „Chorwerk-Einspielung des Jahres“ ausgezeichnet.

Nikolaus Harnoncourt erhält den bedeutendsten japanischen Klassik-Preis, den Record Geijutsu Award 2008 für seine Aufnahme von Schumanns "Paradies und die Peri", der Titel erhielt den "Copper Prize", d.h. die CD befindet sich unter den besten drei Klassikveröffentlichungen des Jahres, ausgewählt von einer Jury der Ongaku-no-Tomo Publishing, die auch das Record Geijutsu Magazine herausgibt. Im Oktober war sein Album bereits als bestes "Vocal Album 2008" ausgezeichnet worden.

Nikolaus Harnoncourt zu dieser Auszeichnung:

"Es ehrt mich sehr, diese bedeutende Auszeichnung zu erhalten, besonders von der japanischen Frachpresse und meinem japanischen Publikum. Die Orchesterproben und die Premiere von "Das Paradies und die Peri" 1843 dirigierte Schumann selbst - sein Debüt als Dirigent übrigens - er war selbst sehr zufrieden und das Publikum feierte ihn enthusiastisch. Das Oratorium wurde in den folgenden Jahren, die der Leipziger Premiere folgten, sehr erfolgreich, Schumanns erster wirklicher Orchestererfolg. Das Stück blieb sehr populär und erlebte mehr als 50 Wiederaufführungen in den folgenden zehn Jahren, geriet dann aber in Vergessenheit. Ich bin mehr als glücklich, dass wir - dank einer fantastischen Sänger-Crew und eines wundervollen Orchesters - in der Lage waren, diese Stück wieder ans Licht zu holen."

Nikolaus Harnoncourt ausgezeichnet – Ehrendoktorat des Salzburger Mozarteums

2008 wurde Nikolaus Harnoncourt in Salzburg das Ehrendoktorat des Salzburger Mozarteums verliehen. Kriterium für diese erstmals vergebene Auszeichnung sei nach Angaben des Mozarteums sein "nachweisliches, auf höchstem Niveau angesiedeltes Ineinandergreifen von musikalischer Praxis, wissenschaftlich fundierter Reflexion und pädagogischer Begabung“. Zusätzlich ehrte die Universität den Dirigenten und Musikwissenschaftler mit einer umfassenden Ausstellung über sein Werk und Wirken.

Nikolaus Harnoncourt im Gespräch mit James Jolly (Senior Editor Gramophone) über J. S. Bach und seine aktuelle Veröffentlichung des "Weihnachtsoratoriums".

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Interview als Film

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Bach-Medaille 2007 für Nikolaus Harnoncourt

Für sein Lebenswerk, das "unmittelbar mit der Musik Johann Sebastian Bachs verbunden ist", erhielt Nikolaus Harnoncourt die Bach-Medaille 2007 der Stadt Leipzig. Die Auszeichnung wurde am 10. Juni im Rahmen des Bachfests von Oberbürgermeister Burkhard Jung an den österreichischen Dirigenten überreicht.

Um international herausragende Künstlerinnen und Künstler für deren besondere Verdienste um die Aufführung und Pflege der Musik Johann Sebastian Bachs zu würdigen, stiftete die Stadt Leipzig 2003 erstmals die aus Meissner Porzellan gefertigte Bach-Medaille. Seither wird das "sächsische Gold" mit dem Bach-Kopf jährlich während des Bachfests verliehen. Ein ehrenamtliches Gremium, bestehend aus dem künstlerischen Direktorium des Bachfests, dem Gewandhauskapellmeister, dem Rektor der Musikhochschule und führenden Persönlichkeiten der Stadt Leipzig, wählt die Preisträger aus. Unter den bisherigen Bach-Medaillen-Preisträgern sind Ton Koopman (2006), Sir John Eliot Gardiner (2005), Helmut Rilling (2004) und Gustav Leonhardt (2003).

Mozart braucht unsere Ehrungen nicht – wir brauchen ihn!

Mit Festkonzerten, Ausstellungen und Premieren begingen die österreichischen Mozartstädte Salzburg und Wien den 250. Geburtstag des Komponisten am 27.01 2006. Zum Auftakt der offiziellen Eröffnung des Mozartjahres in Salzburg ehrte Nikolaus Harnoncourt den Komponisten mit einer Künstlerrede bei einem Festakt im Mozarteum, im Rahmen dessen er mit den Wiener Philharmonikern Mozarts Symphonie in g-moll, KV 550 interpretierte.

Die Festrede des Dirigenten im Wortlaut

Weil ich meine, Mozarts Symphonie ist die eigentliche Eröffnungsrede, möchte ich Sie vorher begrüßen, meine sehr geehrten Damen und Herren. Die Symphonie, die wir jetzt spielen werden, wurde als Mittelstück der sicherlich zusammengehörigen drei letzten Symphonien komponiert. Sie stellen offenbar eine Art Weg des Menschen zu einem Ziel dar.

Ausgehend von der Symphonie in Es-Dur, dem Ton der Liebe, aber auch des „feierlichen Ernstes“ - führt Mozart uns in die Abgründe der alles in Frage stellenden g-moll-Symphonie – um danach im strahlenden C-Dur der Jupiter-Symphonie alles glücklich aufzulösen und den zuvor verstörten Hörer in Harmonie zu entlassen. Von den mehr als 40 Symphonien Mozarts stehen nur zwei in Moll, beide in g-moll. G-moll wurde damals als Todestonart, auch als Tonart der Traurigkeit bezeichnet und empfunden.

Schon im ersten Thema, das Sie gleich hören werden, gibt es keine einzige direkt angespielte Note, auf jedem Ton liegt eine Appoggiatur, ein Vorschlag von oben oder von unten. So wird das scheinbar Einfachste, ja das Selbstverständliche ungreifbar, es verschwimmt, man hört wie durch welliges Wasser gesehen. Der 2. Satz beginnt mit dem leicht versteckten Fugenthema der Jupiter-Symphonie, er steht in Es-Dur, als sollten die Alpträume des 1. Satzes weggewischt und so gleichsam eine „Hoffnung auf eine bessere Welt“ herbeigefleht werden. Wir spielen jetzt die ersten beiden Sätze.

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Und jetzt, nach dieser unfassbaren Musik, wo jede Sprache arm wird, wo wir schweigen müssten, jetzt soll ich noch etwas über Mozart sagen und womöglich auch über dieses Jahr? Nein, zu dieser Musik passen keine Festreden. Wie kann ich da noch etwas über Mozart sagen? Niemand kann es, aber alle tun es jetzt. Österreich heißt in diesem Jahr Mozart. Aber das hat nichts mit ihm zu tun, ich fürchte, mehr mit Geld und Geschäft. Eigentlich müssten wir uns ja genieren. Denn was Mozart von uns verlangt und seit mehr als 200 Jahren verlangt, wäre so einfach: Wir müssten ganz still und aufmerksam zuhören, und wenn wir seine wortlosen Beschwörungen und Plädoyers verstünden, dann müssten wir uns, wie schon gesagt, eigentlich eher genieren als uns stolz zu brüsten.

Jetzt bejubeln wir ihn und das klingt fast so, als wollten wir uns selbst bejubeln. Wir haben aber überhaupt keinen Grund, auf irgendetwas stolz zu sein, was mit Mozart zusammenhängt. Schon seit damals, als er hier in Salzburg und in Wien lebte. Er verlangt etwas von uns mit der unerbittlichen Strenge des Genies und wir bieten ihm unsere Jubiläen mit ihren Umwegrentabilitäten und Geschäften und lassen seine Töne zerstückelt aus allen Werbekanälen tropfen - das dürfte einfach nicht sein, das ist ein Skandal und eine Schande. Wie kann man das tolerieren? Aber wenn so ein Besinnungsjahr trotz alledem einen Sinn haben soll, dann müssen wir hören, hören, hören, und können dann vielleicht einen kleinen Teil der Botschaft verstehen. Mozart braucht unsere Ehrungen nicht – wir brauchen ihn und seinen aufwühlenden Sturmwind. So ein Jahr ist in Wirklichkeit unsere Chance.

Was ist denn der Inhalt seines Plädoyers? Es ist die Kunst selbst, es ist die Musik, und wir haben Rechenschaft darüber abzulegen, was wir mit ihr gemacht haben und immer noch machen - und darüber, was wir versäumen und nicht machen. Die Kunst und mit ihr die Musik ist ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens, sie ist uns geschenkt als Gegengewicht zum Praktischen, zum Nützlichen, zum Verwertbaren. Es leuchtet mir ein, was manche Philosophen sagen, dass es die Kunst und eben die Musik ist, die den Menschen zum Menschen macht. Sie ist ein unerklärliches Zaubergeschenk, eine magische Sprache.

Die letzten Generationen haben ihr Schwergewicht immer mehr und mehr auf das unmittelbar Verwertbare gelegt. Man meint wohl, die Glückserwartung scheine nur im Materiellen zu liegen. Glück wird mit Wohlstand und Wohlstand mit Besitz gleichgesetzt: Es geht mir besser, je mehr ich besitze. Und diese Einstellung wirkt sich bereits in der Erziehung und in den Lehrplänen der Schulen aus. Nach und nach wird alles Musische verdrängt, alles, was die Fantasie fördert und was unverzichtbar ist - fast müsste man schon sagen: wäre - für ein menschenwürdiges Leben. Heute können hier die meisten Kinder nicht einmal mehr singen, weil sie nie dazu angeleitet wurden. Sie wissen nicht, wie man die Töne formt, und sie kennen keine Lieder. Da fängt aber das Musik-Machen, das Musik-Verstehen an, mit drei, vier, fünf Jahren schon. Später überlässt man es sowieso dem Radio und dem Walkman.

Dieses Jahr jetzt mahnt uns in aller Eindringlichkeit, dass unsere Kinder das Recht auf eine volle Bildung und nicht nur auf Ausbildung haben. Es ist symptomatisch für unsere Bildungsziele, dass bei den Kontrollmethoden, etwa der Pisa-Studie, die Musik praktisch keine Rolle spielt. Nebenbei bemerkt: Die beiden Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die über Bildung und Kultur handeln, Nr. 26 und 27, sind von peinlicher Dürftigkeit. Wenn zu Rechnen, Schreiben und Lesen nicht die Kunsterziehung gleichgewichtig hinzutritt, wenn das Nützlichkeitsdenken alles beherrscht - und wir sind nahe daran - dann besteht höchste Gefahr, dass der Materialismus und die Raffgier zur götzenhaften Religion unserer Zeit werden.

Ist es nicht schon so weit? Kardinal König sagte vor einigen Jahren: „Der Weg Europas hat in eine Sackgasse geführt: Vorrang der Technik vor der Ethik, Primat der Sachwelt vor den Personenwerten.“ Pascal sprach im 17. Jahrhundert von den zwei einander bedingenden Denkweisen des Menschen: Er nannte sie das arithmetische Denken und das Denken des Herzens. Kierkegaard warnte schon um 1840 vor dem drohenden Materialismus, er schrieb: „Man befürchtet im Augenblick nichts mehr, als den totalen Bankrott in Europa...“, übersieht aber „... die weit gefährlichere, anscheinend unumgehbare Zahlungsunfähigkeit in geistiger Hinsicht, die vor der Tür steht“.

Es geht mir jetzt nicht so sehr um eine größere Beachtung der Kunst in ihrem erlauchten Spitzenbereich. Es geht darum, dass diese höchsten Formen schließlich ins Leere rufen, wenn niemand mehr die Sprache versteht. Die Musik ist ja keineswegs die abgehobene Geheimsprache einer arroganten, selbstbewussten und privilegierten Minderheit, nein, jeder kann ihre Botschaft mitbekommen, kann teilnehmen an ihren Reichtümern, wenn die Antennen von klein auf richtig eingestellt werden.

Da die Kunst im Bereich der Fantasie zuhause ist, hat sie etwas Rätselhaftes, nicht Erklärbares. Ihre unsichtbare Macht ist gewaltig und gefährlich, ihre Wirkung subversiv. Deshalb haben Machthaber immer wieder versucht, sich ihrer zu bedienen. Ohne Erfolg, denn Kunst ist stets oppositionell und souverän, sie lässt sich weder zähmen, noch einverleiben. Sie ist eine Sprache des Unsagbaren, die aber manchen letzten Wahrheiten wohl eher nahe kommt als die Sprache der Worte, der Verständigung mit ihrer Logik, mit ihrer Eindeutigkeit, ihrem schrecklichen Ja oder Nein.

Die Rolle, die wir der Kunst zubilligen, ist vielfach: sie uns dienstbar zu machen, sie zu zähmen, aber auch uns mit ihr zu brüsten. In unserem schönen, geförderten Musikleben sollen die Menschen nach aufreibender Arbeit Freude und Erholung finden - sollen wieder Kraft finden für den Alltagsstress. (Die Nazis nannten das „Kraft durch Freude“ - mit ähnlicher Begründung wie bei den Menschenrechtsartikeln). Ein gefährlicher Schritt im langen und illegalen Prozess, Kunst „nutzbar“ zu machen.

Die Musik der großen Komponisten hat diesen Trend fast nie bedient, sie war schon immer viel mehr: nämlich sensible Reaktion auf die geistige Situation der Zeit. Sie war und ist ein Spiegel, der den Hörer sich selbst zu erkennen half, der ihn auch in Abgründe blicken ließ. Als man Mozarts g-moll-Symphonie zum ersten Mal hörte, wurde gefragt, ob derartige Erschütterungen zulässig seien. Diese Symphonie ging ja für die Menschen damals bis in die Extreme der musikalischen Sprache. Der Züricher Musikästhetiker und Kulturphilosoph Hans Georg Nägeli (1773-1836) bezweifelte - wie manche seiner Zeitgenossen - ob derartiges noch zulässig und zumutbar sei. Damals ist wohl keiner beruhigt nach Hause gegangen.

Durch die Kunst werden wir ja zu Erkenntnissen geführt, oft geradezu gestoßen: Sie ist der Spiegel in den wir schauen müssen. Um dem zu entkommen, hat man eine bloß ästhetisierende, manche sagen „kulinarische“ Art, mit Kunst umzugehen angenommen: Man hört „schöne“ Musik, man sieht „schöne“ Bilder, aber man lässt sich lieber nicht von ihr erschüttern, oder gar umkrempeln.

Als junger Orchestermusiker vor 50 Jahren musste ich die g-moll-Symphonie jährlich oft und oft spielen - damals immer lieb und hübsch, die Zuhörer wiegten selig ihre Köpfe, man sprach nachher von „Mozart-Glück“. Die Partitur auf meinem Pult aber sagte anderes. Wie hier alles in Frage gestellt, ja geradezu zerstört wird: die Melodie, die Harmonie, der Rhythmus! Nichts ist so, wie es korrekterweise sein müsste, außer vielleicht das romantische Trio des Menuetts. Es kann schon sein, dass man damals, nach dem Krieg, die ausstrahlende Harmonie, das rein Beglückende gebraucht hat - die Kehrseite der Medaille hatte man ja grausam erlebt. So kehrten praktisch alle Mozart-Interpretationen damals das Helle, Positive hervor und unterdrückten das Erschütternde.

Diese Symphonie wurde zu meiner persönlichen Schicksalssymphonie, sie hat mein Leben nachhaltig verändert, da ich sie eines Tages, nach 17 Jahren als Orchestercellist, so nicht ein einziges Mal mehr spielen wollte. Ich verließ das Orchester.

Man kann in dieser Symphonie auch ein großes Beispiel sehen, ähnlich vielen Werken der Literatur und der bildenden Kunst. Wie weit darf, soll oder muss Kunst gehen? Aber auch: Was kann und muss der Hörer zu ertragen bereit sein? Mozart ist immer wieder an diese Schmerzgrenze gegangen.

Wie fast alle großen Künstler bleibt Mozart als Person rätselhaft, ja geradezu unheimlich. Man meint, alles über ihn zu wissen. Sein Leben ist ja bestens dokumentiert, aber wenn man etwas über ihn sagen will, bemerkt man, dass man ihn überhaupt nicht kennt.

Unser geschichtliches oder biografisches „Wissen“, ganz allgemein gesprochen, ist ja kein Wissen. Wir erwerben es indirekt und meinen, Augenzeugen zu sein. Wir nehmen die Bilder - etwa des Fernsehens - als Fakten, wir glauben, dabei gewesen zu sein, haben aber nichts gespürt auf unserer Haut und in unseren Herzen. Die Bilder sind Bilder, aber die Wirklichkeit ist nur vorgetäuscht, sie war ganz anders. Wir werden die Wahrheit über Mozart nie erfahren, es ist unser selbst gemachtes Bild, das wir dafür halten. Nur das Werk birgt die Wahrheit. Den Menschen zu verstehen scheint unmöglich. So gelangen wir, wie bei vielen Künstlern, zu einer Art Doppelgängersicht. Als gäbe es zwei Mozarts: das spielende Kind, den heiteren, extrovertierten jungen Mann, von dem seine Freunde sagten, er sei niemals mürrisch gewesen; der von Jugend an seine Briefe in einem geschliffenen Stil schrieb; gebildet, schlagfertig und sicher.

Den Mozart der Biografien, mit seinen finanziellen, familiären und künstlerischen Krisen; war er reich oder arm? Zerkracht mit seinem Vater oder in liebevoller Harmonie? War er künstlerisch gescheitert nach dem Wiener Misserfolg von „Le Nozze di Figaro“? - Ich glaube kein Wort davon, denn wie Oswald Spengler sagt: „Natur soll man wissenschaftlich traktieren, über Geschichte soll man dichten“ - und das tat man über die Maßen. Aber der andere Mozart ist der Eigentliche, ist ungreifbar und unbegreifbar, er entzieht sich jeder Beurteilung. Wenn wir ihn erfassen wollen, müssen wir beschämt erkennen, dass unsere Elle nicht in sein Maßsystem passt - er kommt von einem anderen Stern. Er lebt nur durch sein Werk: Ernsthaft in jedem Augenblick, auch im Witz beklemmend - der „Musikalische Spaß“, ein ebenso dunkles Stück wie die gespenstische Lach-Arie in „Zaide“.

Was muss das für ein Schock gewesen sein im Hause Mozart, als der Vater im Kleinkind das Genie erkannte: Man meint ein herziges, gescheites Kind zu haben und sieht unvermittelt ein Krokodil. Ein Genie wie Mozart wird nicht, das ist - paff - wie ein Meteor aus dem Universum. Kein spielendes Kind, eher ein spielender Erwachsener.

Es ist in der menschlichen Gesellschaft nicht vorgesehen, ein Genie großzuziehen, dafür gibt es keine Vorbilder. So ein dämonisches Wesen okkupiert selbstverständlich seine Umgebung, man kann es nicht „erziehen“, es ist ein geliebter und zugleich beängstigender Hausgenosse. Von seinen ersten musikalischen Äußerungen an ist Mozarts Weg als Künstler von einer Unbeirrbarkeit, von einer atemberaubenden Sicherheit - genau konträr zu seinem äußerlichen Lebensweg.

Schon als Kind komponierte er Werke, deren emotionaler Inhalt weit über das hinaus geht, was er erlebt und erfahren haben konnte. So können wir von dem Jüngling, der er immer war und blieb, die letzten und tiefsten Geheimnisse von Liebe und Tod, von Tragik, Schuld und Glück erfahren.
Er zwingt uns, in seelische Abgründe zu schauen und kurz darauf in den Himmel; vielleicht ein Griffel in der Hand Gottes.
Nikolaus Harnoncourt ­ Preisträger des ECHO Klassik 2005

Zum wiederholten Mal hat Nikolaus Harnoncourt einen ECHO Klassik-Preis gewonnen: In diesem Jahr wurde seine Einspielung von Anton Bruckners 5. Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern von der Deutschen Phono-Akademie als „Die Sinfonische Einspielung des Jahres“ (19. Jahrhundert) ausgezeichnet.
In einer hochkarätig besetzten Gala mit internationalen und nationalen Stars der Klassik und prominenten Laudatoren wurde die Auszeichnungen des ECHO Klassik 2005 am 16. Oktober im exklusiven Rahmen der Philharmonie am Gasteig in München überreicht.
The 2005 Kyoto Prize Laureates

Die Inamori Foundation in Kyoto, die alljährlich weltweit herausragende Persönlichkeiten in allen Bereichen der Wissenschaft und der Kunst auszeichnet, hat Nikolaus Harnoncourt in der Kategorie "Bildende Kunst & Philosophie" als "einen herausragenden Musiker von außergewöhnlicher Kreativität" geehrt. "Er habe", so die Laudatoren, "entscheidenden Teil an der Verbreitung der historischen Aufführungspraxis Alter Musik und deren Prinzipien und Interpretationsansätze weit über die europäische Alte Musik auf die zeitgenössische Musik ausgedehnt." Die Verleihungszeremonie findet am 10. November 2005 in Kyoto statt.
Harnoncourt wird Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker

Ein weiteres Ereignis zum Feiern gab es am 10.12.2004 mit der Ernennung von Nikolaus Harnoncourt zum Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker. Der Dirigent ist damit das 46. Ehrenmitglied der „Hall of Fame“ des Orchesters. Auf den Tag genau vor 20 Jahren leitete Harnoncourt erstmals ein Konzert mit den Wiener Philharmonikern.
Nikolaus Harnoncourt lüftet Bruckners letztes Geheimnis

Nikolaus Harnoncourts neue Aufnahme von Bruckners Meisterwerk der Symphonie Nr. 5 ist das „letzte Wort“ des Komponisten: Harnoncourt berücksichtigt als erster Dirigent sämtliche der zahllosen kleineren Korrekturen und Änderungen, die Bruckner in die handschriftliche Partitur der Symphonie noch nach Drucklegung des Werks eingetragen hat.

Die Bonus-CD enthält Ausschnitte aus den Proben im Wiener Musikverein und bietet somit die Gelegenheit, sich die Erkenntnisse vom Maestro Harnoncourt persönlich darlegen zu lassen.Nikolaus Harnoncourts neue Aufnahme von Bruckners Meisterwerk der Symphonie Nr. 5 ist das „letzte Wort“ des Komponisten: Harnoncourt berücksichtigt als erster Dirigent sämtliche der zahllosen kleineren Korrekturen und Änderungen, die Bruckner in die handschriftliche Partitur der Symphonie noch nach Drucklegung des Werks eingetragen hat. Harnoncourt Newsletter BMG Classics präsentiert mit Nikolaus Harnoncourt zum ersten Mal Bruckners 5. Symphonie, bis ins kleinste Detail so erlebbar, wie es Bruckners „letztem Wort“ zu ihr entspricht. Harnoncourt verwendete die in der Österreichischen Nationalbibliothek liegende Original-Partitur der 5. Symphonie, die Bruckner handschriftlich noch nach Drucklegung überarbeitet hatte. Auf der Basis dieser heute fast vergessenen Arbeit durchleuchtete Harnoncourt die gesamte Partitur neu. In vielerlei Hinsicht ist die fünfte Symphonie in B-Dur das ehrgeizigste Projekt, das Anton Bruo?ckner je vollendet hat. Sie enthält Geheimnisse, die bis heute ungelüftet blieben. Im Jahre 1922 wies der Komponist Armin Knab in einer Studie erstmals darauf hin, dass sämtliche Themen der vier Sätze eine gemeinsame Grundsubstanz besitzen, die auf der Harmoniefolge des Introitus von Mozarts Requiem aufbaut. Es ist bekannt, dass die Partitur der 5. Symphonie bereits gedruckt war, als Bruckner handschriftlich noch zahllose kleinere Korrekturen und Änderungen vornahm. Diese Abschrift war früheren Bruckner-Herausgebern entweder nicht bekannt oder wurde nur zum Teil übernommen. Eine Aufführung dieser übermenschlichen Tonsetzungskunst hat Anton Bruckner zu Lebzeiten nicht mehr erleben dürfen. Der Uraufführung in Graz 1884 musste er aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit fernbleiben. Bevor er starb, erklang die 5. Symphonie nur noch ein einziges Mal, 1895 in Budapest.

Überraschungsparty zum 75. Geburtstag

Auf einer Überraschungsparty zu seinem 75. Geburtstag am 6. Dezember 2004 im legendären Wiener Cabaret Simpl nahm Nikolaus Harnoncourt aus den Händen von Stefan Piendl (Senior VP & COO BMG Classics, worldwide) und Christian Leins (Director A&R, BMG Classics) den diesjährigen ECHO Klassik für "Bestes Orchester Alte Musik" (für Haydns "Die Schöpfung") und den "Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik" für seine Einspielung von Orchesterwerken von Béla Bartók entgegen.

Nikolaus-Geburtstagsparty am 6.12.2004 in Wien:

v.l.n.r.: Stefan Piendl, Nikolaus Harnoncourt und Christian Leins Noch in diesem Dezember wird Nikolaus Harnoncourt das "Requiem" von Verdi und den "Messias" von Georg Friedrich Händel für BMG CLASSICS aufnehmen. Mit Spannung wird schon jetzt die nächste Veröffentlichung des Ausnahme-Dirigenten auf RCA RED SEAL erwartet, die 5. Sinfonie Anton Bruckners mit den Wiener Philharmonikern, die am 17.1.2005 veröffentlicht wird.

Québec, 5.11.2004:

Der Classical Internet Award 2004, organisiert von classicstoday.com, classicstodayfrance.com und Klassik-heute.de, geht an Nikolaus Harnoncourts Einspielung der 9. Symphonie von Anton Bruckner mit den Wiener Philharmonikern.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte: silke.zimmermann@bmg.com

Salzburg, 17.10.2004:

Für seine Einspielung von Haydns "Die Schöpfung" unter Leitung von Nikolaus Harnoncourt wird der Concentus Musicus Wien mit dem ECHO Klassik 2004 als "Bestes Orchester/Alte Musik" geehrt. Die Verleihung der Preise findet am 24.10. in Berlin statt. Sendetermin im ZDF ist 22.00 Uhr am gleichen Abend.
Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte: POSITION, Institut für Kommunikation GbmH, Tel.: 0221-9318060.

Salzburg, 6.8.2004:

Auf der jährlichen Pressekonferenz der BMG Classics in Salzburg sprach Nikolaus Harnoncourt mit dem Intendant der Philharmonie Essen, Michael Kaufmann, über seine anstehenden Projekte und Aufnahme-Pläne bei BMG Classics.